Drei Zimmerer in einer Werkstatt schauen freundschaftlich in die Kamera
Hannes Harnack

Miteinander statt gegeneinander

Ab dem Jahr 2035 machen die Generationen Y, Z und Alpha – ab 1980 geboren – insgesamt 75 Prozent der Erwerbstätigen aus. Diese Zahl ruft Dr. Steffi Burkart Führungskräften in ihren Vorträgen immer wieder in Erinnerung. Sie ist Expertin für die Generationen Y, Z und Alpha und forscht zu der Frage, wie sich Betriebe auf deren Bedürfnisse einstellen und sie als Fachkräfte gewinnen und binden können.

Wie ticken Generation Z und Alpha?

„Diese jungen Menschen hinterfragen viel und wollen im Arbeitskontext mitreden“, sagt die Zukunftsforscherin. Gleichzeitig treffen sie in der Praxis auf aktuell noch auf eine große Zahl älterer Arbeitnehmer, was oftmals zu Reibungen führe. Die Zukunftsforscherin sieht hier keinen unlösbaren Generationenkonflikt, sondern eine Chance. „Ziel für Betriebe muss es sein, die Stärken jeder Generation für sich zu nutzen“, sagt sie. Doch wie denken die Generationen Z und Alpha, also jene jungen Menschen, die als Auszubildende gerade die ersten Schritte im Beruf machen und die teils schon als junge Fachkräfte mitten im Berufsleben stehen? „Wir erleben, dass insbesondere die Generation Z, junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren, trotz Arbeit weniger Geld zur Verfügung hat“, erklärt die Zukunftsforscherin.

Porträtfoto Dr. Steffi Burkart
Simon Wegener
Dr. Steffi Burkart, Expertin für die Generationen Z und Alpha.

Vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten glaube sie nicht mehr an das Versprechen, durch harte Arbeit materiellen Wohlstand aufbauen zu können. Gleichzeitig blicke sie, genauso wie die noch jüngere Generation Alpha, einem bis zu 50-jährigen Erwerbsleben entgegen. „Während für frühere Generationen die Erwerbsbiografie aus Ausbildung, Arbeit und Rente bestand, wird sie für diese jungen Menschen noch fragmentierter sein“, so die Forscherin. Beide Faktoren führten dazu, dass sich junge Menschen nicht mehr so stark wie die Vorgängergenerationen mit ihrer Arbeit und dem Arbeitgeber identifizieren – entsprechend steigt auch ihre Bereitschaft, Arbeitgeber oder sogar Beruf zu wechseln. Das Technologieparadox beschreibt Dr. Burkart als weiteres Phänomen: Während sie mit digitaler Technik aufwachsen, technologieaffin und online vernetzt sind, nimmt die Einsamkeit im realen Leben laut Studien zu. „Damit verbunden ist auch die Sehnsucht nach sensorischen Erlebnissen in der physischen Welt“, schlussfolgert sie, und weiter: „Deshalb glaube ich, dass es künftig wieder mehr junge Menschen ins Handwerk zieht.“

Stärken des Handwerks

Denn das Handwerk hat nach Ansicht der Forscherin zentrale Stärken, die in diesem Kontext wirken: Verbundenheit mit Werkstoff und Produkt, Sinn und echte Erlebnisse. Handwerksteams seien zudem reale persönliche Netzwerke – menschlich, nah, authentisch. „Es geht nicht um totale Digitalisierung. Betriebe müssen echte Verbindungen schaffen“, sagt Dr. Burkart. In der Praxis kann das unterschiedlich umgesetzt werden, etwa in Form des so genannten „Reverse Monitoring“, wobei einem Auszubildenden ein erfahrener Geselle zur Seite gestellt wird und beide voneinander lernen. Eine weitere Möglichkeit, Verbindung zu schaffen sei auch das „Shadowing“, bei dem junge Menschen erfahrene Kräfte begleiten, oder Projekte, die Nachwuchskräfte eigenverantwortlich umsetzen.

„Wichtig ist der offene Dialog zwischen den Generationen“, betont Dr. Burkart.

Wenn ab 2025 die Generationen Y, Z und Alpha 75 Prozent der Erwerbstätigen bilden und diese gleichzeitig einem längeren Arbeitsleben gegenüberstehen werde das auch neue Anforderungen an Ausbildung und Lehre stellen. „Die Frage, wie, was und wozu ich lerne, wird von diesen Generationen vermehrt gestellt.“ In der Antwort darauf zählten dann nicht mehr nur Zahlen, Daten und Fakten. „Führungskräfte und Ausbilder müssen inspirieren. Sie müssen Geschichten und Emotion mit Zahlen, Daten und Fakten verbinden, um junge Menschen in dieser Frage zu erreichen“, erklärt die Zukunftsforscherin. Gleichzeitig müssen sie sich auch mit der Frage auseinandersetzen, wie sie auch ältere Generationen an sich binden können. „Weiterbildungsangebote im Betrieb, Programme zur persönlichen beruflichen Weiterentwicklung – all das sind Punkte, die im Rahmen der Personalführung mitgedacht werden sollten“, so Dr. Steffi Burkart. Der generationenbedingte Wandel hat bereits begonnen – das Handwerk bringt beste Voraussetzungen mit, ihn erfolgreich zu meistern.

 

Unterstützung bei Pre- und Onboarding

Die Workshopreihe "Qualität in der Ausbildung" unterstützt Ausbildungsbetriebe bei Themen wie Praktikum und Ausbildungsqualität.

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